Für dich.
ESSAYS UND GEDANKEN
3/3/20253 min read
Ich wünschte, das hier wäre ein Text, den du noch lesen könntest.
Ich wünschte, das hier wäre ein Text, den ich dir vorher geschrieben hätte – weil du mir irgendwann einmal gesagt hast, dass meine Worte dir helfen, Dinge zu sortieren. Dass sie etwas in dir bewegen. Ich wünschte, ich könnte noch darauf warten, dass du mir irgendwann erzählst, dass es dich zum Nachdenken gebracht hat.
Aber das hier ist ein Text, den du nie lesen wirst.
Und ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Ich weiß nicht, was ich von der Tatsache halten soll, dass du gegangen bist. Dass wir jetzt alle mit Fragen dastehen, auf die es keine Antworten mehr gibt. Dass wir die Erinnerungen an dich auf einmal in eine Vergangenheit schieben müssen, in die sie noch gar nicht gehören sollten.
Ich weiß nicht, was ich von der Tatsache halten soll, dass du so ein unfassbar warmer, herzlicher Mensch warst, der so viel geben konnte – und dass es am Ende nicht genug für dich selbst war.
Wir sagen so oft, dass Menschen ihre Kämpfe leise kämpfen. Dass sie lächeln, obwohl sie es nicht fühlen. Dass sie stark wirken, obwohl sie längst müde sind. Und trotzdem trifft es uns jedes Mal, als hätten wir es nicht kommen sehen können.
Vielleicht, weil wir es nicht sehen wollen. Vielleicht, weil wir glauben, dass es nicht sein darf.
Und trotzdem ist es passiert.
Und trotzdem bist du jetzt weg.
Ich will nicht so tun, als könnte ich das verstehen.
Ich will nicht so tun, als könnte ich hier eine Erklärung finden, die uns Frieden gibt.
Es gibt keine Worte, die es leichter machen. Kein Warum, das es erträglicher macht.
Doch was ich dir sagen will, auch wenn du es nicht mehr hören kannst:
Du hast existiert.
Du hast berührt.
Du hast Spuren hinterlassen, die nicht verschwinden, nur weil du jetzt nicht mehr da bist.
Ich weiß noch, wie wir uns angefreundet haben.
Nicht in einem besonders schönen Moment, sondern in einem stillen, sehr traurigen.
Mein Hund war tot, und du warst da. Nicht mit großen Worten, nicht mit Floskeln, du hast mir einfach nur zugehört, als ich unendlich traurig war.
Vielleicht war es genau das, was dich ausgemacht hat:
Dass du gesehen hast, wo andere nur vorbeigesehen haben. Dass du gegeben hast, auch wenn du selbst nicht viel hattest.
Dass du diese Wärme in dir trugst, die andere gestützt hat – und die dich am Ende vielleicht selbst nicht mehr halten konnte.
Ich weiß nicht, wie lange du diesen Kampf schon gekämpft hast.
Ich weiß nur, dass du ihn nicht mehr kämpfen wolltest.
Und dass wir jetzt mit dieser Stille zurückbleiben, die nach einem Menschen bleibt, der zu viel gefühlt hat, um hierzubleiben.
Es gibt so viele Dinge, die ich dir gerne noch gesagt hätte.
Dass du wichtig warst.
Dass du das immer noch bist.
Dass du Spuren hinterlassen hast, die nicht einfach verschwinden, nur weil du jetzt nicht mehr da bist.
Aber was ich am meisten sagen will – und was du vielleicht nie geglaubt hast:
Es wäre okay gewesen, nicht stark zu sein.
Es wäre okay gewesen, nicht immer derjenige zu sein, der für andere da ist.
Es wäre okay gewesen, auch mal Halt zu suchen, anstatt ihn nur zu geben.
Ich wünschte, du hättest dir das erlaubt.
Ich wünschte, du wärst noch hier.
Aber wenn du das nicht mehr konntest – dann hoffe ich, dass es jetzt leichter ist als hier.
Dass du irgendwo bist, wo nichts mehr drückt.
Und ich hoffe, dass du zumindest für einen Moment gewusst hast, dass du geliebt wurdest.
Dass du es immer noch wirst.


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